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MobileTech Conference | Die Konferenz für Enterprise Mobile Development
12. – 14. März 2018 | München
16
Feb

Augmented Reality – wo wir stehen und was auf uns zukommt

Foto Till Krempel

Till Krempel

Das Smartphone als digitaler Begleiter für alle Lebenslagen ist längst zum Standard geworden. Um unser Leben noch mehr mit den unendlichen Weiten der digitalen Welt zu verknüpfen, wird schon lange an Augmented Reality, also der Verküpfung der Realität mit virtuellen Elementen, gebastelt. Im Interview zu seiner Session auf der MobileTech Conference 2018 spricht Till Krempel über den aktuellen Status Quo in Sachen Augmented Reality und wie sich die Technologie voraussichtlich entwickeln wird.

JAXenter: Hallo Till und danke, dass du dir die Zeit genommen hast. Auf der MTC sprichst du über das spannende Thema Augmented Reality. Die meisten von uns werden AR lediglich in Bezug auf Spiele kennen, welche Möglichkeiten des Einsatzes gibt es denn für Augmented Reality noch?

Till Krempel: Die größten Erfolge am Markt konnte Augmented Reality sicher im Gaming-Bereich verzeichnen, allerdings nutzen auch heute schon soziale Medien in ihren Kameras AR-Filter zum Aufwerten des Nutzer-Contents. Es gibt aber auch durchaus Szenarien mit echtem Mehrwert für den Nutzer, wie bei der Produktvorschau in den eigenen vier Wänden oder eben bei der Indoor-Navigation in öffentlichen Gebäuden. Es gibt außerdem viele weitere denkbare professionelle Anwendungsfälle, z.B. in Industrie, Bauwesen, Luftfahrt, Retail, Logistik oder Medizin. Diese werden aber oft nicht auf dem Smartphone stattfinden, sondern auf dedizierter Hardware.

Wenn die echte Welt zentimetergenau vermessbar wird, hat das Konsequenzen. Es werden ganz neue ortsgebundene Services möglich werden.

Die für Mobilgeräte meiner Einschätzung nach spannendsten Anwendungen sind jene, die nicht nur ad-hoc eine augmentierte Realität aufbauen und diese sofort wieder vergessen, sobald das „Spiel“ vorbei ist, sondern die eine parallele digitale Welt aufbauen, die auch mit der echten Realität in Zusammenhang steht. Durch die Fortschritte in den kamerabasierten Trackingverfahren wird es möglich, die Realität auf einem sehr viel feineren Detailgrad als bisher digital zu erschließen. Wenn die echte Welt zentimetergenau vermessbar wird, und das nur anhand der schon existierenden Milliarden Smartphones die die Menschen auf diesem Planeten benutzen, hat das Konsequenzen. Es werden so ganz neue ortsgebundene Services möglich werden, die wir bisher noch nicht kennen.

JAXenter: Hardwaregestützte Ansätze sind auf dem Markt gescheitert, Lösungen wie ARCore und arKit sind praktikabler, da hierfür keine spezielle zusätzliche Hardware nötig ist. Hat die Technologie rund um die Augmented Reality einen wichtigen Schritt gemacht, oder bedeutet das letztlich nur, dass die Endprodukte zwar funktionieren, aber besser funktionieren könnten, hätte man entsprechend dedizierte Hardware?

Till Krempel: Hardware ist kein Selbstzweck, sondern wird in der Regel immer erst dann angeschafft, wenn damit neue Dinge möglich werden, die der Nutzer braucht. Solange es nicht die „Killer-Anwendung“ gibt, die der Nutzer wirklich benötigt, wird sich niemand ein neues Hardware Device anschaffen.

Wir haben die Qualität des Motion Tracking auf ARCore und Tango verglichen und die Ergebnisse sind überraschend gut. Das zeigt, dass die Hardware eben nicht für alle Aspekte des Themas zwingend erforderlich ist. Der Schritt, die in Tango Devices verfügbaren Features mit kleinen Abstrichen für jeden verfügbar zu machen, der ein halbwegs aktuelles Device hat, ist daher eine erfreuliche Entwicklung. Dies wird der Verbreitung von AR-Anwendungen helfen.

JAXenter: Es wird gemunkelt, dass GPS möglicherweise bald von einem neuen Google-Service beerbt werden könnte. Glaubst du GPS ist eine Auslauftechnologie? Welche Vorteile hätte der „Visual Positioning Service“?

Till Krempel: VPS wird GPS meiner Einschätzung nach in naher Zukunft definitiv nicht ablösen, höchstens ergänzen. Allein schon für die Fahrzeugnavigation ist GPS unabdingbar. Der Vorteil einer rein visuell-basierten Lösung ist die Erschließung der Innenräume und die höhere Genauigkeit. Für den Service wird aber eine teils massive Datengrundlage in Form von visuellen Informationen benötigt, die, wenn man sich nicht aus vorhandenen Quellen erheben kann, auch erstmal erstellt werden muss. Theoretisch kann dann aber jedes Device, welches eine Kamera und eine Internetverbindung hat, die Technologie verwenden, solange die Verarbeitung in der Cloud stattfindet. In Kombination mit der Größenordnung des Android-Ökosystems, hängt die Etablierung hier eigentlich nur von der Leistungsfähigkeit des Systems und der Verfügbarkeit der Daten ab, wenn und falls es der Service in den Produktivbetrieb schafft.

JAXenter: Was wird kurzfristig und langfristig in Sachen Augmented Reality passieren?

Till Krempel: Ich denke man muss hier unterscheiden, welche Endgeräte wir betrachten. Bisher sind arKit und ARCore nur für Nutzer eines aktuellen Smartphones verfügbar. Dementsprechend sind die Märkte für die Anwendungen hier zwar im Vergleich zu Google Tango gewachsen, allerdings immer noch klein. Da die Leute voraussichtlich nicht so schnell aufhören werden, Smartphones zu kaufen, wird die Verfügbarkeit für diese Anwendungen steigen. So werden sich auch mehr Firmen für diese Technologien interessieren und sie für ihren Anwendungsfall bewerten.

Apple & Google werden die komplexen technologischen Grundlagen für Augmented Reality in iOS und Android implementieren – so wird aus dem Nischen-Feature ein Standard-Feature.

Virtual Reality wird schneller einen zufriedenstellenden Reifegrad erreichen, z.B. als Erweiterung des „klassischen“ Videobilds bei Live-Übertragungen von Events, wie bei den olympischen Winterspielen. Der Markt ist mittlerweile voll von VR Headsets der verschiedensten Hersteller und auch über Cardboard, GearVR oder Daydream kann man schon ohne größere Investitionen daran teilhaben. In diesem Bereich ist der Wettstreit, welche Plattform sich durchsetzt, schon in vollem Gange.

Die Hardware für AR ist hier noch in einem früheren Stadium, und obwohl die Qualität der Lösungen immer besser wird, ist die finanzielle Einstiegshürde für den Endverbrauchen noch zu hoch. Es wird daher noch etwas dauern, bis der Endverbraucher sich für kleines Geld eine AR-Brille kaufen kann, für die es auch genügend Anwendungen gibt. Bis dahin ist das Smartphone für diesen Bereich noch das Mittel der Wahl.

JAXenter: Welche Erkenntnis sollte jeder Besucher deiner Session mit nach Hause nehmen?

Till Krempel: Die Session wird sich vornehmlich mit den Fortschritten in Sachen ARCore und arKit beschäftigen. Wir werden das Feature-Set erläutern, aktuelle Beispiele sehen, die wir selbst entwickelt haben, und Anforderungen an die Entwicklung von AR Apps diskutieren. Auch ein Ausblick darauf, wie solche Technologien unseren Alltag und auch das Berufsleben verändern können soll diskutiert werden.

Perspektivisch werden Apple und Google die komplexen technologischen Grundlagen für Augmented Reality in die Plattformen iOS und Android implementieren. Damit wird AR von einem Nischen-Feature zu einem einfach nutzbaren Standard-Feature. Als Entwickler programmiere ich ja auch keinen eigenen Bluetooth Stack oder GPS-Empfänger, sondern nutze die Features des Betriebssystems, um meine Anforderungen zu realisieren. Gerade für Entwickler aus dem mobilen Umfeld ist die Umsetzung von AR Features so nie einfacher gewesen als heute.

 

Interviewt von: Dominik Mohilo

Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.

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